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Mythos: Farbiges Glas ist immer gleich

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Marc Everling
Leiter Marketing Kommunikation
AGC Interpane

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Mythos: Farbiges Glas ist immer gleich

Farbiges Glas im Interieur

Farbiges Glas ist immer gleich – ankleben, fertig. Aber ist das so? Im Bereich Designglas, gerade bei den farbigen Produkten, gibt es heute eine Vielzahl von Produktionstechniken für diverse Anwendungen. Von Thomas Ploeger.

Lacobel ist heute ein Synonym für rückseitig farbig lackiertes Glas mit glänzender Oberfläche. Viele Verarbeiter wissen nicht, dass der Name eine geschützte Marke von AGC ist und kein Sammelbegriff für rückseitig farbig lackierte Gläser, so sehr ist das Produkt bei vielen Glasverarbeitern verankert. Das Produkt ist durch das industrielle Fertigungsverfahren und seine Homogenität für die meisten Interieur-Anwendungen bestens geeignet. Was aber, wenn es in der Anwendung an seine Grenzen stößt, weil zum Beispiel in einem Teil der Wand störende Reflexionen durch einfallendes Licht entstehen oder haptische Anforderungen wie softe Oberflächen gestellt werden? Hier kommen Varianten ins Spiel, die sich farblich und materialästhetisch kombinieren lassen – zum Beispiel die satinierte Variante Matelac.

In der Wandgestaltung gibt es seit einigen Jahren diverse Möglichkeiten, mit dem Werkstoff Glas zu „spielen“. Diese Gläser können in Gruppen eingeteilt und nach Art der Farberzeugung, Technik und Anwendungsgebieten gegliedert werden. Das Basisprodukt ist immer eine klare Scheibe. Ausgangsprodukt bei AGC ist immer Planibel. Das planparallele Floatglas kann flexibel verarbeitet werden und ist eisenoxydarm und somit hell – ideal für Designglasprodukte, weil es kaum Farbverfälschungen gibt. Dazu ist es von zwei bis zwölf Millimetern Dicke und in Abmessungen bis zu 18 mal 3,21 Meter verfügbar. Im Interieur ist es die Basis für Spiegel, lackierte und mattierte Glasprodukte, Verbundsicherheitsglas und das Ausgangsprodukt für vorgespanntes Einscheibensicherheitsglas. Soll das spätere Produkt ein Lacobel werden, ist beidseitig glänzendes, bzw. „glossy“ Planibel die Grundlage. Soll es später eine matte Oberfläche besitzen, wie zum Beispiel Matelac, wird als Basisprodukt auf der Außenseite satiniertes, also säuregeätztes Matelux eingesetzt. Damit ist das Basisprodukt für spätere Glasvarianten vorbereitet. Doch welche Techniken gibt es im Markt, um eine Farbe oder Optik zu erreichen?

Monoscheibe organisch beschichtet: Die organische Beschichtung ist die häufigste Veredelung und auf Floatglas oder Einscheibensicherheitsglas (ESG) anwendbar. Bei Float ist es möglich, ein ganzes Glasblatt zu beschichten und im Anschluss Festmaße zu schneiden und zu bearbeiten. Die Glaskante ist dann frei von Farbe. Die Weiterverarbeitung zu ESG ist allerdings ausgeschlossen, weil der Lack verbrennen würde. Bei Festmaßbeschichtung hingegen, wird zuerst das klare Glas nach Aufmaß endbearbeitet, nach Bedarf zu ESG/TVG vorgespannt und danach beschichtet. Die hintere Fase der Glaskante ist dann meist mitbeschichtet. Achtung: Beschichtungen können sehr unterschiedlich UV- und feuchtestabil sein. Opazitäten sind vom Lacksystem abhängig wie auch die Haftung auf der glatten Oberfläche. Weiter ist zu beachten, ob ein Glas auf der Luft- oder Zinnseite beschichtet wird. Bei der Glasproduktion „schwimmt“ eine Seite des Glases auf einem Zinnbad, die andere ist der Atmosphäre ausgesetzt. Die Seiten haben unterschiedliche Eigenschaften und sind ohne technische Hilfsmittel schwer zu lokalisieren.

Verschiedene Lackierungen
Mit verschiedenen Lacksystemen manuell hinterlackiert: Die manuelle Lackierung ist keine industrielle Technik. Es wird mit einer Becherpistole oder Airless organisch lackiert. Die Beschichtung ist nur mit viel Aufwand und Erfahrung als dauerhafte, sicher haftende Lackschicht realisierbar. Ein späteres Verkleben des Glases auf einem Träger ist meist nicht zertifizierbar. Nach dem Ankleben bleibt ein hohes Risiko, dass Kleber und Lack reagieren und sich die Farbe verändert, also sichtbar durchschlägt. Teilbereiche des Lackes können sich ablösen. Die Technik wird von Handwerkern gelegentlich für Einzelstücke angewendet. Hohe Erwartungen treffen dann jedoch oft auf ein ernüchterndes Ergebnis, da die Qualität nicht annähernd mit industriellen Produkten vergleichbar ist.

Mit Rollercoater hinterlackiert: Mit einem Rollercoater beschichtet die Industrie ganze Bandmaßen organisch, meist mit UV-Lack. Diese Technik wird für größere Mengen verwendet. Bei Festmaßen und ESG ist die Randfase mitbeschichtet. Nachteil der Technik ist auch, dass die Rückseite der Beschichtung Rollenstrukturen aufweist. Es entsteht eine partiell relativ dicke Farbschicht, die bei Durchlicht wolkig oder streifig wirkt. Letztlich eine Lösung für einfache Qualität, z.B. für Wandverkleidungen im Industriebau.

Im Vorhangverfahren hinterlackiert: Im industriellen Vorhangverfahren werden Bandmaße organisch beschichtet. Diese Technik hat viele Vorteile, zum Beispiel, dass die Mengen bei den Standard-Katalogfarben beliebig sind – von Einzelstücken bis zu Großserien – bei AGC ab 200 Quadratmeter sogar mit individuellen Farben. Die Schichtdicke ist definiert, darum sind diese Produkte (z.B. Lacobel, Matelac) perfekt homogen, dauerhaft brillant und farbecht. Die Lösung mit perfekter Qualität ist typisch für durchgängig farbgleiche Gestaltungen und die beste Wahl für professionelle Innenarchitektur.

Der Sonderfall – im Vorhangverfahren verspiegelt: Die Farbe wird hier durch farbiges Basisglas erzeugt. Die Beschichtung geschieht im Vorhangverfahren, wird aber verspiegelt. Beispiele hierfür sind die Matelac Silver Farben, Black Mirox sowie alle anderen Spiegel. Durch die Verwendung farbgleichen Substrats für eine klare Scheibe (Planibel), eine mattierte Scheibe (Matelux), einen Spiegel (Mirox) und einen mattierten Spiegel (Matelac Silver), entsteht ein durchgängig farbgleiches Materialquartett - perfekt für Themenwelten in der Gestaltung.

Keramische Farben
Monoscheibe keramisch beschichtet: Hier wird auf Floatglas eine Keramikfritte aufgebracht, die durch anschließendes Vorspannen mit der Glasoberfläche verschmilzt. Es entsteht emailliertes Glas. Auch hier ist es möglich, ein ganzes Glasblatt zu beschichten und im Anschluss daraus Festmaße zu schneiden und zu bearbeiten. Zum Schluss muss es jedoch zu ESG oder TVG vorgespannt werden. Bei Festmaßbeschichtung wird zuerst das klare Glas nach Aufmaß endbearbeitet, beschichtet und letztlich vorgespannt. Die hintere Fase der Glaskante ist meist mitbeschichtet. Anwendungen dieser Art sind durch das Emaillieren auch im Exterieur anwendbar, UV- und feuchtestabil. Opazitäten sind von der verwendeten Fritte abhängig; sie neigen zur Transparenz. Sehr hochwertige keramische Beschichtungen sind in einem Double-Layer-Verfahren hergestellt und dann ohne Gefahr des Abzeichnens von Klebebändern, Silikon oder unterschiedlich farbigen Untergründen einsetzbar.

Keramischer Digitaldruck: Hier wird die Keramikfritte auf endbearbeitete Festmaße aufgebracht, meist für Einzelstücke. Die Rückseite der Bedruckung ist homogen, durch die Druckköpfe neigt die Beschichtung aber zu Streifenbildung. Die Dicke der Keramikschicht ist steuerbar. Die Anwendung wird oft für individuelle Küchenrückwände verwendet, wenn es besondere Anforderungen an die Temperaturwechselbeständigkeit gibt, zum Beispiel beim Einsatz von Gasherden. Weitere Einsatzgebiete sind bedruckte Glastüren oder es werden große Motive in Einzelteile zerlegt. So ist es möglich, ganze Fassaden mit einem Motiv zu bedrucken.

Keramischer Siebdruck: Hier wird die Keramikfritte per Siebdruck auf meist endbearbeitete Festmaße aufgebracht, um mittlere Mengen zu erzeugen. Die Rückseite ist homogen, die Dicke der Keramikschicht ist steuerbar. Die Technik wird für Zwischenwände, Glastüren oder ähnliches in Serie genutzt.

Keramisches Rollercoating: Die Keramikfritte wird mit dem Rollercoater aufgebracht, um ganze Blätter zu beschichten. Die Rückseite weist die typischen Rollenstrukturen auf, die Keramikschicht wird ungleichmäßig dick und kann nur im Nachhinein als Double-Layer ausgeführt werden. Für einfache farbige Fassadenverkleidungen.

Keramische Beschichtung im Vorhangverfahren: Für höchste Qualität werden Bandmaße im Vorhangverfahren mit keramischen Farben beschichtet – so für Matelac T oder Lacobel T. Sie können auch in thermisch anspruchsvollen Anwendungen, als gebogene Verglasungen oder im Außenbereich angewendet werden, denn sie werden vorgespannt. Die rückseitige Beschichtung hat eine definierte Schichtdicke und bewirkt perfekte Homogenität. Double-Layer sorgen für opake Farben. Diese Lösung findet Anwendung in Designglasfassaden, gebogenen Wandverkleidungen, Lösungen mit Biegezug- oder Temperaturwechsel-Anforderungen. Schlussendlich sind diese Produkte für fast alle Zwecke zertifizierbar.

Folienlösungen
Die Farbgestaltung wird hier mittels Folie erreicht. Am Markt existieren diverse Anbieter für Varianten mit unterschiedlichsten Eigenschaften. Transparent, semitransparent, opak, mit akustischen Eigenschaften, für Brandschutz, additive Farbmischsysteme mit transparenten Folien, nutzbar für die Rückprojektion und so weiter. Die wichtigsten Lösungen:

Monoscheibe mit rückseitiger Folie: Hier wird eine farbige Folie manuell oder mit einem Laminiergerät aufkaschiert. Das Verfahren ist mit wenig Aufwand erledigt und sogar auf der Baustelle realisierbar. Es ist aber nicht dauerhaft und nur für temporäre, preiswerte Lösungen geeignet, im Ladenbau, wenn Flächen für eine begrenze Zeit gestaltet werden. Zum Problem werden hier auch schnell Wärme und UV-Einstrahlung, dann löst sich die Folie oder die Farben verblassen, bis hin zur möglichen Zerstörung durch Hitzestau. Eine Verklebung oder andere nicht sichtbare Befestigungen sind meist nicht zugelassen, es ist also eine mechanische und sichtbare Sicherung notwendig. Lösungen mit ESG erfüllen zumindest ein Mindestmaß an Sicherheit.

Verbundsicherheitsglas mit (semi)opaker Folie: Zwischen zwei Glasscheiben werden ein oder zwei durchgefärbte PVB-Folien im Vakuumverfahren laminiert. In diesem Segment gibt es viele als komplettes Blatt verfügbare Standardprodukte, sie sind aber auch manuell mit Floatglas oder ESG herstellbar. Oft als Sicherheitsprodukte verwendet, wenn z.B. beidseitiger Sichtanspruch gefordert ist oder hinterleuchtet werden soll. Professionelle Folienlösungen ergeben eine homogene, wolken- und streifenfreie, durchleuchtbare Fläche.

Verbundsicherheitsglas mit Farbmisch-Foliensystem: Zwischen zwei Glasscheiben wird ein Folienpaket mit einer weißen Folie als Hintergrund und mehreren bunten Folien im additiven Farbmischsystem im Vakuumverfahren laminiert. Ein Produktbeispiel ist Vanceva. Oft für Wandabläufe verwendet, die abwechselnd opak und (semi)transparent aber homogen gleichfarbig ausgeführt werden. Für transparente Elemente wird die weiße Folie weggelassen oder durch eine semitransparente ersetzt und somit durchleuchtbar.

Verbundsicherheitsglas mit EVAC-Folie: Zwischen zwei Glasscheiben werden EVAC-Folien (Ethylen-Vinylacetat-Copolymer, früher EVA genannt) laminiert. Der Vorteil: Da diese beim Laminieren dauerhaft vernetzt, ist sie auch im Kantenbereich wasserresistent. Farben werden per Digitaldruck auf einer Zwischenfolie von opak bis transparent realisiert. Zusätzlich lassen sich Designelemente integrieren. 

Wie finde ich nun die richtige Lösung?
Bei jeder Anwendung sollten Einsatzzweck und Rahmenbedingungen des Projekts die Lösung bestimmen. Spielt Feuchtigkeit eine Rolle? Ist die Verglasung Hitze oder UV-Belastung ausgesetzt? Werden ein Einzelstück, eine Kleinserie oder größere Mengen oder Abmessungen benötigt? Muss das Produkt nach Jahren farbgleich reproduzierbar sein, falls Ersatz gefordert ist oder eine Installation erweitert werden soll? Sind Sicherheitsaspekte zu beachten und sind Zertifizierungen nötig? Welche Opazität ist gefordert? Ist die Verfügbarkeit örtlich gegeben? Wie hoch ist der Qualitätsanspruch, auch an die Dauerhaftigkeit? Die Liste der Fragen ließe sich fortsetzen. 

Für industrielle Produkte wie Lacobel (T) und Matelac (T)  spricht – und das gilt für Bauherren, Architekten, Planer und Handwerker gleichermaßen – dass hiermit ein Projekt schnell und reibungslos abgewickelt werden kann. Professionell ausgeführt funktioniert es über den Nutzungszeitraum hochwertig und ohne Mängel. Zudem sind sie reproduzierbar. Ist Ersatz oder Erweiterung gefordert, haben auch später produzierte Produkte die gleiche Ästhetik und „Flickschusterei“ wird vermieden. Für alle manuell hergestellten Produkte gilt, dass eine Reproduzierbarkeit, insbesondere bei hellen Farben, nie gegeben ist. Allein die Unwägbarkeit des Glassubstrats führt zu unkalkulierbaren Farbveränderungen. Sollte eine Scheibe zu Bruch gehen und es ist kein Glas mehr aus derselben Charge vorhanden, kann der Verarbeiter den Kunden bei einer Nachfertigung nicht zufriedenstellen. Beim Serienprodukt muss er nur ins Regal greifen oder es mit vorhandenen Daten neu fertigen und schon ist Ersatz verfügbar. Für Serienprodukte existieren alle Prüfungen und Zertifikate, die bei Bedarf abgerufen werden können. Ein zertifiziertes Klebesystem (zum Beispiel Fix-IN) nimmt die Unsicherheit, ob auch alle verwendeten Komponenten harmonieren. Nichts ist ärgerlicher und unter dem Strich teurer, als eine Lösung, die nicht funktioniert. Fazit: Bevor man sich auf ein Produkt festlegt, selbst wenn man in Vergangenheit einmal gute Erfahrungen damit gemacht hat, sollte man sich einige funktionale Fragen beantworten und die Nachhaltigkeit berücksichtigen.

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